Reisegeschichten zu Konzerten und anderen Veranstaltungen

AC/DC, Zeppelinfeld Nürnberg 8. Mai 2015. Wie es begann…

Samstag, 7. September 1991. Ich war mit meinem Kumpel Bernd auf dem Weg zu einem Gangster-HipHop-Festival auf der Loreley. Autobahn vor Mainz-Finthen Stau. Überall Musik in den Autos, gut gelaunte Leute. Süße Frauen. Ich war entzückt auf dem Beifahrersitz. „Na, auch auf dem Weg zum Konzert, hm (tschilp-tschilp)?“. „Ja, ja, wird geil. Bis später!“. Ich war noch in der Annahme, wir fahren alle aufs gleiche Konzert. In Mainz-Finthen fuhren aber alle Fans ab. In Richtung AC/DC-Konzert. Wir wunken uns noch zu. Und wir auf freier Autobahn dann gerade aus. Toll. Vorsatz: Nochmal sollte mir sowas nicht passieren…

Ende 2014 liefs nicht so bei mir. Also, was tun? Natürlich zur Stimmungsaufhellung ein Konzertkärtla rauslassen. AC/DC Tourstart „Rock or bust“ (Rocken oder kaputtgehen) Deutschland in Nürnberg? Ja, hervorragend: Endlich mal live und mittlerweile eine meiner Favoriten. Vorverkaufsstart an meinem Geburtstag. Lief nicht? Von wegen! 🙂

Erstmals wollte ich mir die Challenge geben, möglichst 1. Reihe regulär zu schaffen. Mit 45 dafür war ich ja ziemlicher Spätzünder für sowas. In jungen, verpeilten Jahren waren wir manches Mal ja froh, vor lauter Party überhaupt in die richtige Stadt gefahren zu sein geschweige es noch rechtzeitig zum Hauptakt geschafft zu haben. In meinen ruhigen Jahren hätte die Begleitung für so ein Abenteuer gestreikt. Außerdem gabs in den letzten Jahren derweil Business- und VIP-Plätzchen. Man wird ja auch ein wenig bequemer mit dem Alter… Aber bis ich 50 bin, wollte ich mir so ne Nummer zumindest schon lange einmal geben und eine meiner Idole aus nächster Nähe Face-to-Face erleben. Keine Ahnung auch, wie so eine Mission läuft. Wann man aufschlagen sollte, wie es in der Wartezeit im FOS-Bereich mit Pipi-Päuschen usw. ist. Ziemlich spannend das also alles für mich….

6 Uhr morgens: Ich war die Nummer 3! Unglaublich. Rechnete ich doch schon mit einigen mehr wartenden Fans…

Mal reinkieken…. Da hinten ist die Bühne…. Yippieh, bis später!

Irgendwann gegen 8 bemerkte ich einen jungen Typen Ende 20 in der Reihe. In beiden Händen hielt er einen Umschlag wie ein rohes Ei. Ziemlich ehrfurchtsvoll und übervorsichtig mit halb gestreckten Armen. Ich fragte ihn, was er darin hat. „Meine Eintrittskarte! Wenn die gefaltet wird, ist sie vielleicht ungültig?!“ Keine Chance den ganzen Vormittag, ihn zu entspannen. Er hielt bis zum Einlass das Kuvert und die Karte ungefaltet fest. Sein erstes AC/DC-Konzert, und für ihn der absolute Lebenstraum…

Warten, warten, warten, … Es war der erste richtig heiße Tag 2015. Ich erinnere mich noch sehr gut. Ziemlich wenig Schatten und ab 14 Uhr erst Einlass. Das kann sich ziehen…

…zum Glück entspannte und gut gelaunte Hardcore-Fans mit gleichem Anliegen 🙂

Es füllte sich. Die Reihen an den Eingangsschleusen wurden länger…

Es ging auf 14°° zu. Einlass. Nochmals kurzfristige Hektik in den Schlangen, Neusortierung. Wird man reibungslos durchkommen? Klappt der Kartenscan? Man wird schon leicht nervös, ob die Challenge nicht am Einlass scheitert und man wertvolle Sekunden verliert….

Und dann gings los… Gute 500 Meter Sprint quer übers Zeppelinfeld zum FOS-Bereich. Mit meinem damals völlig untrainierten fast 100kg-Kadaver… Jesses!

GE-SCHAFFT!

Ich aber auch…

Von 14 Uhr an Warten bis 18 Uhr Start Vorprogramm in dieser Affenhitze. Das zog sich nochmals umso länger. Ich hatte mir mehrmals die Frage gestellt: Muss das wirklich nochmals sein?

18 Uhr Start Vorpogramm mit DJane Kate Kaputto und der amerikanischen Blues-Rock Band Vintage Trouble aus Los Angeles.

Ziemlich pünktlich um 20:45 Uhr ging es dann los. Nach einem Videointro kommen AC/DC auf die Bühne. Ich musste sie nicht sehen, ich hätte es mit geschlossenen Augen und Ohren gespürt. 5 Meter vor mir war ein Lautsprecher und der hat – Wahnsinn – seinen Dienst verrichtet und wie Sau gestrahlt. Ich vibrierte. Ich wär mir sicher: Ohne Ohropax hätte ich von diesem Platz einen Schaden davongetragen (feuchte Papiertaschentücher-Stückchen gehen auch).

Was für ein grandioses Konzert… Neben mir war der junge Typ mit der Eintrittskarte im Kuvert vom Einlass. Ganz aus dem Häuschen. Wirklich putzig-schön 🙂

Angus Young. Jahrgang 1955. 60 Jahre. Respekt…

Das ist schon was ganz Besonderes: Einmal einem seiner Idole so nah auf einem Konzertchen zurückjubeln zu können. Wow…! 🙂

Ich mag mich erinnern: Es ging knapp 2 Stunden. Pow!

Setlist:
– Rock Or Bust
– Shoot To Thrill
– Hell Ain’t A Bad Place To Be
– Back In Black
– Play Ball
– Dirty Deeds Done Dirt Cheap
– Thunderstruck
– High Voltage
– Rock ‚N‘ Roll Train
– Hells Bells
– Baptism By Fire
– You Shook Me All Night Long
– Sin City
– Shot Down In Flames
– Have A Drink On Me
– T.N.T.
– Whole Lotta Rosie
– Let There Be Rock (with Angus Young Guitar Solo)
Zugabe:
– Highway To Hell
– For Those About To Rock (We Salute You)

Heimweg. Frage nicht…. Mit letzter Kraft irgendwann nach Endlosstau von Menschen ein paar Quadratzentimeter für mich in der S-Bahn zurück nach Erlangen. Meine Gräten… Ich spürte sie alle! Völlig fertig, im Eimer. Sowas gebe ich mir nie wieder. Ich bin doch nicht bekloppt?! Am nächsten Morgen sah die Welt natürlich wieder schön aus:

Auf jeden Fall! 🙂

Dem Sänger Brian Johnson kam nach Nürnberg während der Tour bei einem verregnetem Konzert Wasser in die Ohren und machte unbewusst den Fehler, damit sofort wieder ins Flugzeug zu steigen. Damit verlor er fast sein Gehör, musste operiert werden und fiel für den Rest der Tour aus. Sehr, sehr schön: 2020 ist er wieder fit und für das Comeback des Jahres dabei. Und der Drummer Phil Rudd hat sein Leben offensichtlich wieder auf der Kette. Und nur darauf kommt es letztendlich an.

Mit Brian Johnson gibt es auf YouTube und Amazon Prime eine interessante Dokumentation. „Brian Johnson’s Life On The Road“ ist eine sechsteilige Serie, in der der Musiker im Gespräch mit einigen der größten Namen der Rock `n Roll-Geschichte die Realitäten des Lebens auf einer globalen Rock-Tour erforscht. Seit März 2021 setzt Johnson diese Idee eigenständig auf YouTube mit Brian Johnson TV fort.

Musiker interviewt Musiker. Sehr gelungen.

 

 

 

 

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