Reisegeschichten zu Konzerten und anderen Veranstaltungen

Little Steven & The Disciples Of Soul in Obertraubling, 2. Juli 2017. Eine Radltour in die Hauptstadt des Rock `n Roll

Jeder kann sich an die prägenden Musikalben seiner Jugend erinnern. Nach einer Elvis- und ausgedehnten Kiss-Phase war Little Steven 1984 mit dem Album „Voice of America“ sowie ein Jahr darauf mit dem Protestalbum gegen Apartheid „Sun City“ für mich als erster Künstler mit politischen bzw. sozialkritischen Statements in seinen Liedern prägend.

Ich habe ihn mir die Jahre immer auf dem Radar behalten, sowieso auch durch sein Mitwirken als Gitarrist in der E-Street Band mit Bruce Springsteen, wo ich ihn 2016 in Rom erstmals live gesehen hatte. Aber ein „echtes“ Little Steven-Konzert war bisher in meinem Kalender noch fehlend. Seit dem legendären Rockpalastkonzert auf der Loreley 1984, welches ich im Fernsehen kuckte, hatte ich dies als Ziel.

Umso entzückter war ich, als ich sein neues, grandioses Album „Soulfire“ lauschte (auf Amazon reinhören)  und die Ankündigung von 3 Deutschlandkonzerten seiner Europatour las. Neben Leipzig und Frankfurt wurde Obertraubling (bei Regensburg) angekündigt. Leichtes Staunen, „spuit“ dort in der Regel mehr Metal.

Wir hatten dann folgend einen kleinen Pingpong auf Twitter:

Obertraubling ist ja eigentlich wirklich super! Mal nicht München, Nürnberg oder Frankfurt. Regensburg ist, zudem im Juli nochmals mehr, eine wunderschöne Stadt und dorthin lässt sich auch eine feine, kompakte Radltour planen.

Über die Seite Bayernnetz für Radler hatte ich eine superschöne Route von 170km von Erlangen nach Regensburg geplant und bin 1 Tag vor dem Konzert gestartet:


1. Juli 2017

Um 4 Uhr (allmächd, bis 1°° auf dem Zollhausfest gewesen) gings los 🙂

Päuschen auf dem Pegnitz-Laber-Radweg vor Unterrieden

Freilichtausstellung „Nimm Dir einen Augenblick Zeit“ in der Marktmeile von Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach)


Landkreis Regensburg!!! Endlich Land in Sicht! Ich will ja nicht schreiben, dass ich ungeübt bin, aber nach 140km tun einem schon leicht die Backen weh. Ich war auch nur mit einem 7-Gang Rad unterwegs…;-)

Die ganze Route ist wirklich klasse. Aber am allerschönsten sind die letzten 40km entlang der Vils und Naab, mitunter durch Kallmünz…

…bis nach Regensburg rein. Herrlich!

Den Abend vorm Konzert hab ichs mir in der Stadt gutgehen lassen. Zu Regensburg habe ich eine besondere persönliche Beziehung…

2. Juli 2017

….dann wollen wir nach dem Frühstück doch erst mal schnell noch ein Plakatchen malen 😉

Rückseite, *hihi!

Mittags bin ich dann aus dem Vorort der Hauptstadt des Rock `n Rolls 7km südwestwärts zu eben jener in Richtung „Eventhall Airport Obertraubling“ geradelt.

Ich war nicht der erste Bekloppte 😉

Matze aus Sachsen, (links, 40-50 Springsteen-Konzerte…) Monika aus Dänemark (2. von links), Alex aus Chemnitz (rechts), Manuela (2. von rechts) mit Eltern (Springsteen-Fans) aus Schwaben.

Ländlicher Venue-Charme pur… In der Eventhall wars dann aber umso schöner und aussen interessierts ja auch nicht wirklich und Tickets hatten wir auch schon 😉

Beim Warten auf ein Konzert lernt man immer interessante und nette Gleichgesinnte kennen: Peter aus Frankfurt ist nicht wegen eines beabsichtigten Konzertbesuchs 330 km angereist, sondern nur um sich vor dem Konzert seine LP-Cover von Little Steven signieren zu lassen. Nicht zum Verhökern auf ebay, sondern für sich persönlich! Ein echter Fan. Ich finde sowas absolut beeindruckend!

Er hat sich dann doch noch spontan eine Karte besorgt und wir haben uns dann nach dem Konzert nochmals wieder getroffen. Schön!

Monika, Europas Little Steven Fan Nr. 1: Jedes (jedes!) Konzert der Europa-Tour!

Ich hatte ehrlich ja nicht ganz dran geglaubt, da der Veranstaltungsort doch schon ab vom Schuss und der Ticketpreis von knapp über 50 EUR deutlich über dem Obertraublinger Eventhall-Niveau liegt. Aber ich staunte nicht schlecht: Aus nah und überwiegend fern kamen über 400 Besucher….

…um ein wirklich umwerfend gutes Konzert in Clubatmosphäre zu erleben.

5 Bläser, 3 Backgroundsängerinnen, zwei Keyboarder, Gitarrist, Bassist, Percussionist und ein Drummer – 14 Musiker – wird die Obertraublinger Eventhall wahrscheinlich eher seltener auf der Bühne erleben. Ein zweistündiges Rock-, Blues- und Soulkonzert vom Feinsten! Samt gutem Sound! Die Disciples of Soul haben schön Gas gegeben und mit ihrem Chef richtig Spaß am Konzert gehabt!

Und wir erst…! 😀 Steven van Zandt hat immer mal wieder kleine Anekdoten zur Entstehung von Songs erzählt und mit einigen Messages für ein gutes „Zusammen-Gefühl“ der Besucher gesorgt. Eine sehr schöne, persönliche Stimmung!

Hihi: Little Steven hat gut gelacht bei meinem Plakat 😉

3. Juli 2017

Heimweg! Wieder gings um 4 Uhr los, damit ich möglichst bis spätestens 22° zuhause bin.

Pfiat di Regensburg!

Für den Heimweg hatte ich mir eine Route entlang der Naab bis Schwarzenfeld, dann weiter über Amberg und Sulzbach-Rosenberg rausgesucht. 200km gehen grad noch…

Welcher Brauch mir noch unbekannt war: Kirwa („Kirchweih“)-Leiterwagen-Umzüge. Zwischen Amberg und Sulzbach wurde nämlich gerade gefeiert.

Der erste Trupp hat mich vor Fensterbach erwischt, da ich den Zug unbedarft auf dem Fahrradweg überholen wollte und doof fragte, wohin des Weges gefeiert wird. Ich hatte dann nur die Wahl zwischen einer Flasche Bier exen oder vom Bären schwarz angemalt werden. Oder es nicht schaffen und dann auch schwarz angemalt werden.

11°° war aber ok für a Seidla, auch wenn das Bier wirklich extrakalt war…

Ich hatte es geschafft!:-)

Bei den nächsten 2 Kirwa-Trupps, die meine Strecke belegten, hatte ich mich allerdings besser mal versteckt bzw. bin dann Bogen gefahren. Da wär ich im Graben gelegen…

70km vor dem Ziel musste ich leider aufgeben, da mir 2 Speichen gerissen sind. Naja, wenigstens wars ein traumhafter Abschnitt auf dem Grotten-Radweg und es taugte noch für ein Drahteselfoto mit schönem Landschaftshintergrund.

Was für ein grandioser Trip mit vielen netten Menschen und einem klasse Konzert!

Bis zur nächsten Konzert-Tour!

 

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