Reisegeschichten zu Konzerten und anderen Veranstaltungen

Bruce Springsteen & The E Street Band in Rom, Circus Maximus 16. Juli 2016. Als mich der Boss auf die Bühne bat.

„Immer wenns Dir mau geht, kauf ein Konzertticket und schwelge fortan in der Vorfreude“.

Wie gut, dass es mir im Februar 2016 nicht so dolle ging! …hatte ich doch gleich mal doppelt Grund, zum Vorverkaufsstart des zweiten Europakonzertes der „The River Tour“ von Bruce Springsteen & The E Street Band ohne groß Überlegen für Rom sofort zuzuschnappen und nen schönen Urlaub drumherum zu planen.

Seit Tourstart am 16. Januar in den USA verfolgte ich schon jedes Konzert eines meiner Idole auf YouTube & Co. In meiner gesteigerten Vorfreudephase gleich nach Ticketkauf an einem Samstag Nachmittag kamen erste Schnipsel vom Philadelphiakonzert des Vortages online. Und da sah ich ich einen und bin abgebrochen vor Lachen. Seine Mission wollte mich inspirieren…

Nick Ferraro, bekannt als der „The Philly Elvis“ kam mit seinem Schild („Can the King dance with Soozie?“) und in seiner Montur auf die Bühne und tanzte mit Soozie Tyrell bei „Dancing in the dark“ (das Lied, bei dem Springsteen traditionell Fans auf die Bühne holt).

„Einmal bei einem Springsteen-Konzert in der ersten Reihe (bereits DER kleine Lebenstraum), vielleicht noch zum Boss auf die Bühne, noch zudem mit Soozie tanzen und zum guten Schluss noch das „Hey, Baby“ mit ihm zusammen und anderen Fans vor zigtausend Menschen schallen lassen. Das wär schon sowas von groß in Richtung absoluter Glückseligkeit…!“

OK, Ziel gesteckt…!

Am 11. Juli gings endlich los. Gepackt… …und mittags ab in den Flieger!

Der erste Abend bzw. die erste Nacht in Rom…tja, was soll ich schreiben. Perfekt, perfekt, perfekt!!! Schöner hätte mein Urlaub wirklich nicht starten können…

Tag 2

Welche Sehenswürdigkeit schaut man sich am ersten Morgen in Rom an? Natürlich das Konzertgelände!

Genau hier auf dem Circus Maximus entsteht die Bühne für das Konzert! Solche erst entstehenden Feldkonzerte sind schon was Besonderes….

Der Circus Maximus (ital. Circo Massimo) war im antiken Rom eine Veranstaltungsstätte für Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe. Es war das größe Veranstaltungsbauwerk aller Zeiten! Das Bauwerk steht nicht mehr. Heute wird das Gelände von den Römern vorwiegend lediglich als Gassirunde genutzt, wenn keine Konzertereignisse stattfinden.

Ansicht vom Ende des Geländes. Vorne noch ne Runde toter Steine, ganz hinten wird die Bühne stehen…

Die nächsten zwei Tage über hatte ich dann genutzt, mir Rom anzusehen. Was für eine traumhaft schöne Stadt!

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Posted by Klaus Wolfrum on Samstag, 15. Juli 2017

Die 6 Tage hatte ich jedoch nicht nur wegen Urlaub in Rom geplant. Sondern wesentlich, um rechtzeitig beim „Roll Call“ fürs Konzert anzutreten, um mit vorne dabei sein zu können.

So läuft ein Roll Call ab: Neben dem Konzertgelände starten Fans ein paar Tage vor dem Konzert eine Nummernvergabe und legen sog. Roll Call Zeiten fest. Dann wird sich fortan täglich zu den RC-Zeiten in Schlangen kurz aufgereiht, läuft bei den RCallern vorbei und wird abgehakt. Fertig, das ist alles. Wer einen RC aber verpasst, ist raus. Ohne Kompromisse. Das ist die Regel. Es werden 1500-2000 Nummern für den sog. PIT (Front of Stage-Bereich) vergeben. Der Einlass am Konzerttag erfolgt dann in einer geordneten Schlange. Was aber wirklich interessant ist: Solche RC werden von den Fans selbst und nur in Abstimmung mit dem Veranstaltermanagement durchgeführt. Keine Fanclubs, keine Organisation. Das ist schon bemerkenswert!

Am späten Abend des zweiten Tages …was für ein Schreck: Ich nuckel in der Hostellobby („Bruce Springsteen? Ja da steht mein Vater drauf“) noch mein Gute-Nacht-Bierchen und lese verspätet die Nachricht von Ruth aus der deutschen Facebook Tramps-Gruppe, dass die Nummernvergabe bereits am Nachmittag startete (ich bin erst vom nächsten Tag ausgegangen). Sofort rein in die Hose und oberpronto hin. Leckmichfett, war das ne Hetze! Aber es hat sich gelohnt: Dreiundvierzigster! Meinem Ziel für Reihe 1 und Soozie ein großes Stück näher…!

Die folgenden Roll Call Tage und Urlaub in Rom wären super entspannt, die RCs selbst immer kleine happenings. Aufgrund der örtlichen Situation wurden glücklicherweise nur 2 RCs, jeweils frühmorgens und noch einer am Abend durchgeführt. Perfekt, denn ich hatte mich schon auf RCs von früh bis spät Metro hin und her eingestellt. Da wär nicht mehr viel von Urlaub in Rom und Ausflügen nach Tivoli (superschönes Örtchen) und Frascati (kann man sich sparen) geblieben… Glücklicherweise wurde es anders!

Vor mir ist Denise aus Tivoli und die Nummer nach mir ist Richard aus Wales. Merkt Euch Denise… 😉

Gabriel aus Kanada. Lehrer und Musiker. Klasse Begegnungen! Das Konzert war bei ihm wie auch bei mir Impuls für die Woche Rom

Tag für Tag wurde es immer voller. Donnerstag Nachmittag (das Konzert ist am Samstag) waren es noch überschaubar um die 300 Fans. In der Metro traf und begrüßte man sich aber schon immer häufiger mit der Nr. auf dem Handrücken. Der Tour- und aktuelle Albumtitel „The ties that bind“ (die Kraft der Verbundenheit) passte da schon wirklich wunderschön. Es ist die Musik,die verbindet. Das war schon alles wirklich sehr abgefahren.

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Posted by Klaus Wolfrum on Samstag, 15. Juli 2017

Dazwischen gings ans Schilder malen…

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Posted by Klaus Wolfrum on Samstag, 15. Juli 2017

 

…Rückseite (einer von Bruce Lieblingssätzen zu den Fans: „You lookin`good!“) 😉

….und natürlich… 🙂 <3

Samstag, 16. Juli 2016

Es ist soweit: Tag des Konzertes!

Super organisiert werden die ersten 2000, die aufs Feld dürfen, aufgereiht..

Vorhin noch unwissend zusammen im Hostel beim Frühstück, jetzt wissend zusammen im Queue! Die Welt ist halt klein! 😉

In fetter Affenhitze noch von 9 an bis Mittags auf den Einlass warten. Alles bisher überlebt, jetzt macht`s auch nix mehr aus…

Endlich…: Einlass!

…und ich hab meinen absoluten Wunschplatz ergattert: Direkt vor Soozie! Wooooooh! …und wieder ein Stück weiter in meiner Mission 😀

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Posted by Klaus Wolfrum on Samstag, 15. Juli 2017

Hatte ich noch Wochen vorher für einen Sprint nach Einlass extra täglich(!) auf dem Erlanger Bohlenplatz trainiert, war alles umso entspannter. Kein Gedränge, kein Geschubse, alles fair und rücksichtsvoll. Wasserflaschen kann man offensichtlich in Italien auch in jeglicher Größe (jedoch ohne Verschluss) mit reinnehmen, Essen auch.

Nach den Vorgruppen Treves Blues Band und Counting Crows war es gegen 20:20 Uhr Uhr soweit: Bruce Springsteen und die E Street Band betraten die Bühne und eröffneten mit 6 Streichern des Orchestra Sinfonietta di Roma mit „New York City Serenade“ den Abend. Emotione, emotione: Also ich krieg noch heute leicht feuchte Äuglein beim Kucken… :-))

Es folgte eine traumhafte Setlist von 4 Stunden(!) Springsteen. Ein absolut phänomenales Konzertereignis mit richtig viel zusammen feiern, tanzen, klatschen und mitsingen, träumen, weinen, lachen. Wirklich alles dabei…!

Posted by Klaus Wolfrum on Samstag, 16. Juli 2016

 

…und dann kams: Dancing in the dark! Bereit machen …und hoch das Schildchen, Klaus! Denise aus Tivoli hatte am Konzerttag vor mir in der Schlange überraschenderweise auch ein Schild – für Little Steven – unterm Arm und ich scherzte noch „Na, dann treffen wir uns ja dann beim Mikro“. Sie wurde doch glatt glücklicherweise von Bruce ausgewählt und war schon oben. Und nun kam er auf unsere Seite. Der Tanzpartner für Soozie war also der Nächste…

Springsteen sieht mein Schild und ich hatte wahrscheinlich auch Glück, dass es kein Schöneres auf dem Weg zu mir gab…;-)

Ich, ich ich, ich werd nicht mehr! Er kommt zu mir, greift sich mein „Sign“, hält es zu Soozie und in die Kamera, grinst mich hinter dem Schild an und taxiert mich nur ganz kurz. 3 Sekunden Face to Face mit dem Boss. Und dann seine Geste: „Hopp, hoch!“ Hooooh. ich denk mir „jetzt geht`s hooooch“. Adrenalin pur, Aufregung, Freude, Soozie, …Denise, ich komme! 😉 Ich sag ich Euch. Der absolute Hammer so ein Moment! Geschafft! Am Ziel!

Denise (beim RC war sie immer sehr ruhig, auf der Bühne nicht wiederzuerkennen), Little Steven auf der Bühne. Ich und Bruce frontstaged 😉 – Danke, Alexander Krunic für die Sequenz!

Und dann…? Alle Auserwählten werden von den beiden Bruce Securities, die ihn immer an die Menge begleiten, rausgehoben. Alleine schafft man das nicht aus dem Heringstopf. Und ich? Die zwei Hübschen gehen doch glatt an mir vorbei…!!!? Ich denk mir „was geht denn hier ab, verpass ich gerade den Moment schlechthin? Soll ich jetzt selber hoch oder wie? Übersehen??? Bin ich denen zu schwer, hat mich Soozie doch abgelehnt? Hab ich einen Fleck auf der Stirn, die Hose offen? Kann doch alles nicht sein?!“ Die Leute um mir sind genau so irritiert und versuchen mir noch zu helfen, mich drüber zu heben. Ich werde von der Pit-Security wieder sehr freundlich, aber bestimmt mit Hinweis zurückgeschoben. Ein wenig konfus dieser Moment….

…ich hab mal dorthin vorgespult:

„Ok, habe verstanden. Ich bin halt dann doch nicht mit dabei…“ Leicht verwirrt nehme ich noch das Finale von dancing in the dark mit, freu mich für alle, dies geschafft haben und versuche mich bei „Tenth avenue freeze out“ wieder endgültig zu fangen und das Finale zu genießen. War nicht so ganz einfach, denn es war eine ziemliche emotionale, schnelle Achterbahn das alles. Aber: Geglückt! Soll ich mir deswegen den Abend und den ganzen Trip zerschiessen? Wohl wirklich nicht. Es klappt halt nunmal nicht alles, was man sich vornimmt. An Bruce und mir lags auf jeden Fall nicht 😉 Ich bekam zudem bei der Verabschiedung der Band von Soozie persönlich von der Bühne noch zwei Handküsschen durch die Luft. Diese waren nur für mich! „Hach, Abend endgültig gerettet!“

Dieser Abend war schon speziell… magisch und schon sehr emotional. So unvollendet hats ja auch nicht jeder;-) Dazu eine perfekte location, ein Traumwetter für eine italienische Nacht in einer der schönsten Städte der Welt! Und einfach klasse Menschen um mich rum! Ich saß auf dem Heimweg zum Hostel noch länger nur für mich am beleuchteten Augustusforum, um die ganzen schönen Eindrücke des Abends ganz bewusst sacken zu lassen. Auch ging mir natürlich die Frage nach, warum ich nicht rausgehoben wurde. Man bekommt ja auch ein wenig Selbstzweifel… Nach längerem Überlegen konnte ich es mir dann nur so erklären, dass ich doch fast 2 Köpfe größer als Springsteen bin. Und da hat dann jemand mit Übersicht wahrscheinlich entschieden, dass das auf der Bühne ungünstig aussieht. Dann geht das auf jeden Fall so ok! Muss man aber auch erst mal selbst drauf kommen, erklärt bekommt man ja sowas nicht bei dieser Lautstärke und im Augenblick. Also wenn Du vor hast, zu Deinem Star auf die Bühne zu kommen, google vorab nach seiner Körpergröße und sei (sowieso) nicht enttäuscht, wenn es dann nicht klappt;-)

Als kleine Reiserinnerung habe ich noch ein Video mit ein paar Schnipseln zusammengestellt. Meine Tante (Jahrgang 1942) kennt zwar nicht Bruce Springsteen. Aber sie spielen eine Sprache. Sie hat lieberweise „Dream baby dream“ für das Video beigesteuert:

 

„Yeah I just wanna see you smile
Yeah I just wanna see you smile
Yeah I just wanna see you smile
Come on dream on, dream baby dream

Come on and open up your heart
Come on and open up your heart
Come on and open up your heart
Come on dream on, dream baby dream“

 

Der Song wurde an dem Abend nicht gespielt. Aber er past so gut…! Wenn man die offzielle Videoversion des Titels anschaut, weiß man auch, was die Faszination an Konzerten ausmacht…

Was mir mit noch sehr bewegend am Konzert hängengeblieben ist: Neben mir stand Claudio. Springsteen kam in den ersten Liedern an uns vorbei und gab Claudio ein wenig länger die Hand. Ich hatte das Glück, der Erste zu sein, den Claudio direkt nach dieser Begegnung angesehen hatte. Claudio war vor der Begegnung mit dem Boss deutlich kleiner als ich. Danach schwebte er über uns allen!;-) Ich schwöre: Ich habe noch nie im Leben auf einem Konzert einen glückseligeren Menschen neben mir stehen gehabt!

Wirklich ganz besondere, schöne Momente.

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